November 2009: Viele kleine Mahlzeiten sind besser für den Körper - stimmt das?

These:

Anstatt den Körper mit drei großen Mahlzeiten zu belasten, ist es besser, viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Vor allem um unsere täglichen Rationen Obst und Gemüse zu bekommen. Ständig Energie garantiert, dass der Körper fit und leistungsfähig bleibt und wird. Gesund isst man also, wenn mehrere kleine Portionen auf der Tages- Speisekarte stehen. Dann bleiben auch die Heißhungerattacken aus und man nimmt dann sogar ab.

Wahrheit:

Blicken wir doch einmal weit zurück in unsere Vergangenheit, denn dort liegt die Wahrheit “begraben“. Unsere Urahnen lebten nicht so wie wir im “ Schlaraffenland“ und mussten auch oft längere Zeit ohne Nahrung auskommen. Deswegen ist auch unser Organismus immer noch auf “sparen“ angelegt. Wenn wir also Energie aufnehmen, dann reagiert unser Verdauungssystem mit verstärkter Aktivität und versucht alles Verwertbare zu speichern. Und besonders die Bauchspeicheldrüse reagiert mit verstärkter Ausschüttung von Insulin. Dieses dient dazu, die Zellen des Körpers „aufzuschließen“ und die zugeführte und zerlegte Nahrung mit ihren Nährstoffen in die Zellen zu transportieren.

Wer nun ständig über den Tag verteilt immer wieder neue Nährstoffe zu sich nimmt, der hält den Insulinspiegel ständig oben. Denn die Nährstoffe müssen raus aus dem Blut und hinein in die Zelle. Hierzu muss der Organismus nun immer mehr Insulin produzieren, um die bereits „satten“ Zellen weiter zu füllen. Das geht nicht lange gut. Denn irgendwann haben die Zellen „die Nase voll“ – sie werden insulinresistent. Diabetes und massive Störungen des Fettstoffwechsels drohen. Das Gewicht steigt, und immer mehr Fettzellen werden gebildet, denn die überflüssige Nahrung muss ja irgendwohin. Der Teufelskreis metabolisches Syndrom hat seinen Anfang genommen, und Ausgangspunkt ist nicht selten das regelmäßig, ständige Hochhalten des Insulinspiegels durch viele Zwischenmahlzeiten.

3 mal pro Tag reichen

Nicht nur deswegen scheinen wir Alle von nur 3 Mahlzeiten täglich mit etwa 4-5 Stunden Pause dazwischen zu profitieren. Dazu erschien auch bereits eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2005 in der renommierten Zeitschrift Lancet. Zwar wurde die Untersuchung an Tieren durchgeführt, aber sie lässt sich auch auf den Menschen übertragen. Denn Mensch und Tier müssten nicht zuletzt aufgrund ihrer Evolution von Natur aus eigentlich mit selteneren und unregelmäßigen Mahlzeiten umgehen können. Zwar weiß man mittlerweile, dass eine hoch kalorische Ernährung den Hauptrisikofaktor für Morbidität und Mortalität darstellt, dennoch ist die Frage nach dem Einfluss der Mahlzeitenhäufigkeit auf die Energieaufnahme bei verschiedenen Menschen (mit/ ohne Übergewicht) bis heute nach wie vor nicht vollständig geklärt.

Dennoch legen diverse experimentelle Untersuchungen nahe, dass sich eine weniger hohe Kalorienaufnahme und vor allem auch die Beschränkung auf zwei bis drei Mahlzeiten positiv auf die Krankheitshäufigkeit als auch die Lebenserwartung auszuwirken scheinen. Dieses Argument unterstreicht den Nutzen von einer geringeren Anzahl an Mahlzeiten, wie es vor allem die Verfechter des „Dinner-Cancellings“ praktizieren. Obwohl die wissenschaftliche Beweislage diesbezüglich noch in den Anfängen steckt, wird zumindest deutlich, dass man bisherige Empfehlungen, die für viele kleine und nicht für drei „große“ Mahlzeiten sprechen, in Frage gestellt werden muss. Sie entspricht nicht unserer biologischen Vorgabe.

Fazit:

Gönnen Sie nicht nur Ihrer Seele, sondern auch Ihrem Verdauungssystem täglich ein paar Erholungspausen. Mindestens 4 Stunden ohne Nahrung sollten es schon sein. Dabei gilt es auch zuckerhaltige Getränke oder gesüßten Kaffee/Tee zu vermeiden. So purzeln über kurz oder lang wahrscheinlich nicht nur Pfunde, sondern auch Ihr Stoffwechsel wird es Ihnen danken und Sie mit mehr Energie beschenken. Essen Sie sich also täglich dreimal richtig satt. Dabei müssen Sie auch auf Süßes keineswegs verzichten. Es empfiehlt sich jedoch, den Schokoriegel oder den Obstsalat direkt im Anschluss an die Hauptmahlzeit zu genießen, denn dann ist der Blutzuckerspiegel sowieso schon erhöht und Magen und Darm laufen auf Hochtouren!

Ihr
Prof. Dr. Ingo Froböse





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