März 2010: Brauchen echte Sportler weniger Schlaf?

These:

Wer regelmäßig Sport treibt, benötigt weniger Schlaf, weil der Körper fit ist, die Leistungsfähigkeit steigt und Sportler viel schneller wieder erholt sind. Außerdem schlafen Sportler viel intensiver, da sie von anstrengenden Trainingseinheiten abends einfach nur noch erschöpft ins Bett fallen. Oder?

Wahrheit:

In der Nacht wird der Körper zur Baustelle, denn gerade nachts repariert der Körper defekte und verbrauchte Strukturen, baut neue Knochenmaterialien ein, lässt Muskeln wachsen und macht den Organismus frisch und fit für den kommenden Tag. Der Körper regeneriert sich vor allem also in der Nacht und gerade für Sportler heißt dies: mindestens 8 bis 9 Stunden Schlaf. So gilt es zum Beispiel die Verformung der Wirbelsäule, d.h. die Zunahme der Krümmungen der Wirbelsäule wieder zu normalisieren und sie auf das normale Maß „abzuflachen“. Dabei hilft nicht nur ein langer Schlaf, sondern vor allem auch eine gute Matratze.

In der Nacht werden darüber hinaus Zellen neu auf- und umgebaut, weswegen der Organismus gerade abends viel Eiweiß benötigt. Denn der Organismus besteht zum Großteil mit seinen festen Substanzen aus Eiweiß. Deshalb gestalten Sie Ihr Abendessen möglichst eiweißreich.

Und leise und vor allem dunkel sollte es für einen gesunden Schlaf sein. Denn nur wenn es ruhig ist, schläft man ruhig, denn die Ohren können auch im Schlaf hören. Und die wichtigen Schlafhormone werden nur ausgeschüttet, wenn Dunkelheit ins Auge fällt. Gesunder Schlaf dauert also mindestens sieben Stunden und wird nicht durch äußere Einflüsse gestört. Denn der Erholungswert des Schlafes wird über die Schlafdauer, aber noch deutlicher über die Qualität des Schlafes definiert. Hier ist vor allem der sogenannte Tiefschlaf von großer Bedeutung, der in den ersten 4-5 Stunden einer Schlafzeit liegt.  Denn  mehr Tiefschlaf bedeutet auch eine verstärkte Regeneration. In diesem Zusammenhang ist das während des Tiefschlafs ausgeschüttete Wachstumshormon zu nennen, welches für Muskel-, Haut- und Haarwachstum verantwortlich ist. Durch dieses Hormon kommt es zu einer Veränderung der Zusammensetzung unseres Körpers mit mehr Muskelmasse und weniger Fettgewebe. Es erhöht die Muskelkraft und ist zudem verantwortlich für eine Zunahme der Knochenmasse. Zusätzlich regeneriert sich vor allem auch unser Immunsystem, um Infektionen und andere Erkrankungen besser standhalten zu können.

Für einen erholsamen Schlaf ist bei körperlicher Aktivität die Art, Dauer und Intensität entscheidend. Ausdauersportarten führen im Vergleich zum Kraftsport eher zu besseren Schlaf. So positiv sich moderater Sport auf den Schlaf auswirkt, so negativ verhält es sich mit intensivem Sport. Hoch intensive körperliche Aktivität , auch als “Übertraining“ bekannt, führt zu neuroendokriner Fehlregulation mit verminderter Leistungsfähigkeit. Die Konsequenz ist ein gestörtes Schlafverhalten und somit eine verringerte Regeneration.

Fazit:

Insbesondere moderater Sport verbessert also den Schlaf, der Körper regeneriert und Sie sind gestärkt für neue Aufgaben am nächsten Tag. Ein erholsamer Schlaf ist also Grundvoraussetzung für Ihr Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Sportler sind also keine “Weicheier“, wenn sie viel schlafen. Es ist richtig so, denn sie brauchen einfach mehr davon.

Ihr
Prof. Dr. Ingo Froböse





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