Juli 2010: Alkohol lässt sich durch Sport ausschwitzen, oder?

Alkohol lässt sich durch Sport ausschwitzen, stimmt das?

These:

Sport ist die beste Methode, den Körper vom Restalkohol zu befreien. Viele von uns kennen den Wunsch nach einem Gläschen zu viel am Abend zuvor, den Alkohol ein für allemal aus seinem Körper zu verbannen. Und dafür gibt es viele verschiedene, mehr oder weniger effektive Hausmittelchen und Tricks. Ein weit verbreiteter Mythos in Bezug auf Alkohol, ist der Sport mit dem „Kater“. Durch das Gefühl besonders viel zu schwitzen, glauben viele Menschen, den Alkohol besonders effektiv und schnell aus ihrem Körper zu bekommen.

Wahrheit:

Das stimmt jedoch nicht, denn für 95% des Alkoholabbaus ist die Leber zuständig. Sie beginnt schon wenige Minuten nach dem ersten Schluck den Alkohol abzubauen. Der Alkoholabbau ist vom Geschlecht, Körpergewicht und Fettanteil des Körpers abhängig. Frauen sind dabei eindeutig benachteiligt. Ihnen fehlt – im Gegensatz zu Männern- ein Enzym, das bereits im Magen einen geringen Teil des Alkohols zersetzen kann. Die Leber baut maximal 0,1 bis 0,2 Gramm Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht in der Stunde ab. Das heißt, dieser Prozess dauert unter Umständen eine ganze Weile. Bei gesteigertem Alkoholkonsum kann sich die Leber jedoch anpassen, sodass der Abbauprozess schneller erfolgt. Die fehlenden 5% werden erstaunlicherweise über die Haut abgegeben. Dieser Wert ist dagegen jedoch so gering, dass er schon fast unerheblich ist. So dass man sagen muss: Alkohol lässt sich nicht ausschwitzen. Und es ist nicht ungefährlich, Restalkohol durch Sport ausschwitzen zu wollen. Schon nach einem Glas Bier wird die Reaktionszeit herab gesetzt, die Konzentration und das Schmerzempfinden lassen nach, wodurch insgesamt ein erhöhtes Sturz- und Verletzungsrisiko entsteht.

Darüber hinaus gibt es auch Konsequenzen für das Herz-Kreislauf-System. Die Leber – als primäres Stoffwechselorgan des Alkoholabbaus – benötigt für den Alkoholabbau Kohlenhydrate, die dem Organismus bei gleichzeitigem Sporttreiben nicht mehr zur Verfügung stehen. Folglich kann dies zu einer allgemeinen Unterzuckerung als auch zu einem Nachlassen der Muskelkraft führen, da der Köper die Kohlenhydrate ebenso als Brennstoff für die Entwicklung von Muskelkraft braucht. Alkohol veranlasst zudem die Blutgefäße - selbst bei geringer Alkoholmenge – sich zu erweitern, wodurch das Herz mehr Blut mit größerer Kraftleistung durch den Körper pumpen muss. Für die Versorgung der Muskulatur bedeutet dies wiederum, dass sie zwischenzeitlich unterversorgt wird. Man geht beispielsweise davon aus, dass schon zwei Gläser Alkohol die Sprintgeschwindigkeit um 10% herabsetzen kann. Weitere Reaktionen sind eine beschleunigte Atmung und ein erhöhter Pulsschlag, der durch den Sport zusätzlich in die Höhe getrieben wird und besonders für Herz-Vorgeschädigte unter Belastung zur Gefahr (z.B. zu Herzrhythmusstörungen, etc.) werden kann.

Daneben wird vor allem auch der Wasserhaushalt in ein Ungleichgewicht gebracht, da Alkohol den Körper entwässert und bei zusätzlichem Schwitzen damit einen nicht unproblematischen Elektrolytverlust hervorrufen kann. Somit wirkt sich Alkohol auch negativ auf die Regeneration des Organismus nach Belastung aus, da es den Erholungsprozess behindert. Dies gilt ebenso für den Abbau von Abfallstoffen in den Muskeln, wie vor allem Milchsäure (Laktat), die bei körperlichen Anstrengungen gebildet werden. Der Abbau der Milchsäure wird von dem Moment an verhindert, in dem Alkohol zugeführt wird. Das bedeutet, dass die Leber dem Alkoholabbau Vorrang gibt und somit die Milchsäure erst mal „Milchsäure sein lässt“. Hierdurch wird die Pufferkapazität im Blut vermindert und es kommt zu einer Übersäuerung des Organismus, da das Laktat nicht mehr abgepuffert werden kann- die basischen Puffer sind nämlich schon durch den säurebildenden Abbau von Alkohol aufgebraucht worden.

Eine weitere geschlechtsspezifische Auswirkung betrifft den verminderten anabolen (d.h. „muskelaufbauenden“) Effekt des Krafttrainings bei Männern, da durch alkoholische Getränke wie Wein und Bier immer die Testosteronproduktion unterdrückt wird. Grund dafür sind die starken Phyto-Östrogene (weibliche Hormone), die sowohl im Hopfen des Bieres und in den roten Weintrauben des Rotweins enthalten sind. Das Krafttraining wäre somit „umsonst“ durchgeführt worden, da es zu keinerlei neuem Muskelaufbau führen würde.

Fazit:

Am besten ist es also, Alkohol von vornherein nur in Maßen zu genießen, wenn man sich am Folgetag körperlich betätigen möchte. Und wenn es dann doch mal ein Gläschen mehr war, dann sollte man den Tag danach lieber etwas langsamer angehen lassen und sich und seinem Körper eher ein bisschen Ruhe in Form eines gemütlichen Spazierganges gönnen.

Herzliche Grüße

Ihr Ingo Froböse





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