August 2010: Das Spiel steckt mir in den Knochen. Geht sowas?

Irrtum:

Nach einem anstrengenden Fußballkick am Wochenende klagen nicht nur Hobbyfußballer häufig über Schmerzen. Alles tut weh und das normale Gehen will nicht mehr so recht funktionieren. Fragt man nach dem Grund wochenanfänglicher Wehleidigkeit, so ist die Antwort folgerichtig: das schwere Spiel vom Sonntag steckt noch in den Knochen, man schleppt seine müden Knochen nur von Stuhl zu Stuhl. Doch steckt das Spiel und die daraus resultierende Ermüdung wirklich in unseren Knochen?

Wahrheit:

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Aussage um eine der zahlreichen Sportmythen, die in unserer Gesellschaft existieren. Denn vielmehr sind es unsere Muskeln, die nach der Belastung schmerzen und uns ihre Erschöpfung signalisieren.

Unsere Knochen sind feste Strukturen, die in aller Regel in unserer Kindheit und Jugend fertig ausgebildet werden und sich im Alter nur noch langsam anpassen können. Unser Skelett macht ca. 20 % unseres Körpergewichts aus, was bei einem durchschnittlichen Mann (175 cm und 75 kg) ca. 7 kg Knochenmasse ausmacht. Knochen können nur unter besonderen Umständen ermüden, so tragen in der Regel nur Hochleistungssportler sogenannte „Ermüdungsbrüche“ bei Überbelastung  davon. Was unsere Ermüdung  am Wochenende auf dem Fußballplatz beeinflusst, sind unsere Muskeln und deren Ausdauerfähigkeit. Ist unsere Ausdauer gut trainiert, werden die Muskeln lange mit ausreichend Sauerstoff versorgt, man spricht  von aerober Ausdauer. Strengen wir uns mehr an und überlasten unser Herz-Kreislauf-System, ist unser Körper in diesem Moment nicht mehr in der Lage, genügend Sauerstoff zu produzieren. Die Muskulatur wird nicht  ausreichend versorgt und wir befinden uns im anaeroben Bereich. Unter diesen Umständen wird Laktat gebildet und unsere Muskeln übersäuern. Je stärker und öfter wir diese Übersäuerung provozieren, desto erschöpfter fühlen wir uns.

Es gibt zwei Wege, um sich am nächsten Tag trotzdem "fit wie ein Turnschuh" zu fühlen. Zum einen kann man seine Ausdauerleistungsfähigkeit steigern, indem man regelmäßig trainiert. So kann man seinen Körper an die Belastungen anpassen und das Eintreten der Sauerstoffmangelversorgung herauszögern. Die Batterien der Muskeln sind die Mitochondrien. Sie sorgen dafür, dass innerhalb unserer Skelettmuskulatur genügend Sauerstoff  verteilt wird. Erhöht man also durch Ausdauertraining seine Mitochondrienzahl,  entsteht eine bessere Versorgung und wir fühlen uns länger fit. Außerdem erreicht man durch regelmäßige Trainingseinheiten eine verbesserte Kapillarisierung. Kapillaren versorgen die Muskeln mit Sauerstoff aus dem Blut. Gibt es mehr Kapillaren auf einer Muskelfläche, wird das umliegende Gewebe besser mit Nährstoffen aus dem Blut versorgt.

Zum anderen kann man auch „den Tag danach“ zur verbesserten Regeneration nutzen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung „Ruhe ist die beste Erholung“, ist der „Sport nach dem Sport“  oftmals die bessere Alternative. Ein lockeres Auslaufen oder Walken, dehnen und trotz Muskelkater die Treppen, statt des Aufzugs benutzen, helfen dem Körper, sich besser zu erholen. Außerdem kann man mit Massagen, Saunabesuchen und geeigneter Ernährung seine Müdigkeit vertreiben. So sollte man nach sportlicher Anstrengung vor allem leicht verdauliche, kohlenhydrat- und flüssigkeitsreiche Kost zu sich nehmen, um die Speicher wieder aufzufüllen. So wird das nächste Match zum Vergnügen und das Spiel bleibt nicht "in den Kochen stecken“.

Herzlichst
Ihr Ingo Froböse










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